Das Cochlea-Implantat (CI) ist eine Hörhilfen-Option, wenn klassische Hörgeräte keinen oder zu wenig Nutzen bringen. Voraussetzung für ein CI sind ein funktionsfähiger Hörnerv sowie eine intakte zentrale Hörbahn im Gehirn. Cochlea-Implantate eignen sich für gehörlos geborene Kinder und für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die nach dem Spracherwerb hochgradig schwerhörig oder taub geworden sind. Auch einseitig Ertaubte können von einem Cochlea-Implantat profitieren.
Cochlea-Implantat bei Kindern
Die Fachleute sind sich einig: Um bei Kindern eine gute Sprachentwicklung zu gewährleisten, sollte möglichst früh und beidseitig implantiert werden. Oft wird eine angeborene Hörstörung beim Neugeborenen-Hörscreening in den Geburtsabteilungen entdeckt.
Cochlea-Implantat bei Senioren
Es gibt grundsätzlich keine Altersbeschränkung für die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat, sofern die Kriterien zur Implantation und Narkosefähigkeit erfüllt sind. Das Hören mit CI erfordert aber Übung. Daher müssen künftige CI-Träger:innen, unabhängig vom Alter, bereit sein, sich auf das neue Hören bewusst einzustellen und zu trainieren.
Cochlea-Implantate umgehen die beschädigten Bereiche des Ohrs und stimulieren den Hörnerv direkt. Die nachstehende Infografik zeigt die Funktionsweise eines CI.
Im Sprachprozessor werden über das Mikrofon (1) empfangene Schallschwingungen von Sprache, Klängen und Geräuschen in elektrische Signale umgewandelt. Diese werden nach der Verarbeitung als elektrisches Pulsmuster über das Kabel (2) zur Übertragungsspule (3) weitergeleitet. Die Übertragungsspule wird durch Magnetkraft über dem Implantat (A) gehalten und sendet die codierten Signale per Radiowellen durch die Haut zum Implantat. Dieses entschlüsselt die Signale und leitet sie über das Elektrodenkabel (B) in die Cochlea (C) weiter. Die elektrischen Impulse stimulieren den Hörnerv (D), der seinerseits die Signale an das Gehirn weiterleitet. Das Gehirn entschlüsselt die empfangenen Signale als Höreindruck.
Ein einseitiges Cochlea-Implantat kann mit einem Hörgerät auf der anderen Seite kombiniert werden. Das Hörgerät wird dann für diese Situation optimiert. Einige Betroffene kommen mit dieser Kombination gut zurecht.
Die beidseitige Versorgung mit einem Cochlea-Implantat erzielt allerdings ein besseres Sprachverstehen im Störlärm und ein etwas klareres Richtungshören. Bei Kindern hat sich die beidseitige CI-Versorgung durchgesetzt. Bei Erwachsenen übernehmen die Versicherungen die Kosten noch nicht in allen Fällen.
Die Implantation dauert etwa eineinhalb bis zwei Stunden unter Vollnarkose. Sie bringt einen kurzen stationären Aufenthalt von wenigen Tagen mit sich. Patienten verlassen das Spital mit einem dünnen Verband hinter dem Ohr.
CI-Träger:innen können nicht sofort nach der Operation hören, denn der Sprachprozessor wird erst nach der Wundheilungsphase angepasst, also nach drei bis vier Wochen. Beim Programmieren des Prozessors wird jede einzelne Elektrode so eingestellt, wie sie der individuellen Reaktionsschwelle und Belastungsfähigkeit des Hörnervs entspricht.
Der effektive Erfolg des Cochlea-Implantates zeigt sich oft erst nach einer Zeit der Gewöhnung an das «neue» Hören. Für ein bestmögliches Hörergebnis braucht es vor allem eine positive Grundhaltung, Geduld, Ausdauer und – ganz wichtig – ein spezifisches Hörtraining.
Für CI-Interessierte wichtig zu wissen: Das Hören mit einem Cochlea-Implantat – auch wenn es optimal eingestellt ist – bleibt etwas vollkommen Anderes als das Hören mit einem Hörgerät. Viele Patient:innen erreichen aber ein gutes Sprachverständnis.
CI und MRI: Eine Magnetresonanz-Tomographie-Untersuchung (oft «MRI» genannt) sollte für CI-Träger:innen nur dann durchgeführt werden, wenn keine andere Methode zur nötigen medizinischen Diagnose verhilft. CI-Träger:innen dürfen ohne entsprechende Vorsichtsmassnahmen keinen Raum betreten, in dem sich ein Magnetresonanz-Tomograph (MRI) befindet.
Auf der Website des Cochlea-Implantat-Zentrums Zürich finden Sie eine Übersicht der speziellen Vorsichtsmassnahmen bei einer MRI-Untersuchung. Diese Vorsichtsmassnahmen sind je nach CI-Hersteller und Implantat-Typ unterschiedlich.
Wir empfehlen Ihnen, eine MRI-Untersuchung möglichst in dem Spital durchzuführen, welches Ihnen das CI eingesetzt hat, oder zumindest vorher mit dem implantierenden Zentrum Kontakt aufzunehmen.
Auf der Website des Cochlea-Implantat-Zentrums Zürich finden Sie auch generelle Vorsichtsmassnahmen bei medizinischen Untersuchungen, beim Reisen, beim Sport oder im Alltag.
Implantat-Typen: In der Schweiz werden Cochlea-Implantate der Hersteller Advanced Bionics, Cochlear und MED-EL implantiert. Die einzelnen CI-Typen sind gleichwertig und unterscheiden sich hauptsächlich in der Sprachcodierungsstrategie, der Anzahl Stimulationskanäle, dem Material und Design.
Bestellen Sie die kostenlose Pro Audito-Broschüre Das Cochlea-Implantat – Von der Vorabklärung bis zur Nachbetreuung.
Sie können die Broschüre auch in digitaler Form herunterladen.
Melden Sie sich für die Online-Sprechstunde CI an (für Pro Audito-Mitglieder kostenlos). Hier geht es zur Agenda.
Finden Sie CI-Kliniken in der Schweiz: Hier finden Sie eine Liste der Schweizer Kliniken.