Kommentar von pro audito zur BSV Hörgerätepreisstudie

Donnerstag, 22. Oktober 20

 

Das Bundesamt für Sozialversicherungen hat im vergangenen Jahr eine Folgestudie zu Qualität und Preisen von Hörgeräteversorgungen lanciert. pro audito schweiz war in der Begleitgruppe der Studie involviert (wir haben berichtet).

Die Studie ging der Frage nach, ob mit dem im Jahr 2011 erfolgten Wechsel vom Tarif- auf das Pauschalsystem die vom BSV erhofften Ziele erreicht werden konnten – namentlich die Verstärkung des Wettbewerbs sowie eine verschärfte Preiskonkurrenz bei den Akteuren, sodass die von der IV und AHV eingesetzten Mittel direkter den Menschen mit einer Hörbehinderung zugutekommen.

Jetzt liegen die Studienergebnisse vor. Hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

Hörgeräteversorgung: Hohes Niveau
Erfreulich ist: „Den Befragungsergebnissen der Hörgeräteträgerinnen und -träger zufolge blieb die Qualität der Hörgeräteversorgung in der Schweiz seit dem Systemwechsel auf unverändert hohem Niveau. […] Ausserdem sind „Zufriedenheitund Tragerate in der Schweiz […] auch im internationalen Vergleich sehr hoch.“

 Hörgerätepreise sind hoch geblieben
Das mit dem Systemwechsel beabsichtigte Ziel, den Wettbewerb im Hörgerätemarkt so zu verstärken, dass eine Preissenkung für Hörgeräte und Hörgeräteanpassungen erfolgt, sei – so sagt jetzt die Studie –  nicht gelungen. Das BSV stellt fest:

  • – Die Preise sind nur leicht gesunken, die Margen auf den Hörgeräten nicht
  • – Die Zuzahlungen, also die Beträge, die die Versicherten selbst zahlen, sind gestiegen
  • – Verkauft werden viele teure Versorgungen, aber kaum mittel- und nur wenig tiefpreisige Hörgeräte
  • – Dass der Wettbewerb nicht stärker greift, könnte auch in einer so genannten Informationsasymmetrie begründet sein. Konkret: Der Kunde bezahlt die Preise, weil er zu wenige Informationen besitzt, um die Preise beurteilen zu können

Wie geht es weiter?
Im Rahmen eines Kommissionspostulates werden jetzt Anpassungen für den gesamten Hilfsmittelbereich untersucht. Der Postulatsbericht wird Ende 2021 erwartet. Dann soll das Parlament beschliessen, welche Stossrichtung bei den Hilfsmitteln – und auch bei den Hörgeräten – eingeschlagen werden soll.

 

Kommentar von pro audito schweiz

Georg Simmen, Präsident pro audito schweiz

Georg Simmen, Präsident von pro audito schweiz, kommentiert die Studie: „Wir von pro audito schweiz begrüssen es, dass viele Menschen mit einer Schwerhörigkeit gut versorgt sind und dass auch die Qualität der Versorgung als gut bezeichnet wird. Hier zeigt die Studie erfreuliche Ergebnisse. Der Systemwechsel von den Tarifverträgen mit den Versorgern zu pauschalen Beiträgen an die Betroffenen hat jedoch – wie die Studie auch zeigt – dazu geführt, dass die IV- und AHV-Versicherten höhere Beiträge aus der eigenen Tasche zahlen müssen. pro audito schweiz ist höchst besorgt über diese Entwicklung. Seit dem Systemwechsel im Jahr 2011 konstatieren wir eine Zunahme an Anfragen von Menschen, die aufgrund der Hörversorgung in eine finanzielle Notlage kommen oder sich die Hörgeräteversorgung nicht leisten können. Es darf nicht passieren, dass mit einer erneuten Anpassung des Systems weiter auf dem Buckel der Betroffenen gespart wird.“

pro audito schweiz hilft weiter
Um der in der Studie erwähnten Informationsasymmetrie entgegenzuwirken, hat pro audito schweiz vor einigen Jahren die neutrale Hörberatung ins Leben gerufen, eine kostenlose Dienstleistung, die Hilfe rund um den Hörgerätekauf gibt. Auch erhältlich ist eine Broschüre, die Schritt für Schritt zeigt, wie man zu einem Hörgerät mit gutem Preis- Leistungsverhältnis kommt.

Auf der Website des BSV können Sie sich die Medienmitteilung sowie die gesamte Studienergebnisse anschauen.

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