Ein Jahr im Amt

Dienstag, 21. Dezember 21

 

pro audito geschaeftsleitungZeit für Jolanda Galbier und Heike Zimmermann, um als Geschäftsleitung von pro audito schweiz eine Einschätzung abzugeben: Wo steht der Dachverband Ende 2021? Und wie ist es um die Gleichstellung von Menschen mit einer Schwerhörigkeit in der Schweiz bestellt?

Wie läuft die Umsetzung der UNO Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UNO-BRK) in der Schweiz? Heike Zimmermann: Ich will es mal so formulieren: Es gibt noch viel zu tun. Damit Menschen mit einer Schwerhörigkeit in der Schweiz wirklich gleichgestellt sind, muss noch einiges passieren. Die Bedürfnisse von Schwerhörigen sind nicht so sehr im öffentlichen Bewusstsein verankert, wie es z.B. bei den «sichtbaren Behinderungen» der Fall ist.

Jolanda Galbier: Die Flexibilisierung der Monatspauschale für Schriftdolmetschen im Beruf ist ein gutes Beispiel. Hier gibt es noch Luft nach oben: Unser Ziel ist, dass die Pauschale ganz aufgehoben wird, und Berufstätige das Schriftdolmetschen in dem Umfang nutzen können, den sie für ihren Job benötigen.

Welche Themen «brennen» noch? Heike Zimmermann: Da sind sicher Höranlagen zu nennen.  Das Behindertengleichstellungsgesetz besagt, dass öffentlich zugängliche Gebäude hindernisfrei gebaut werden müssen. Die Realität sieht aber nicht immer so aus: Induktive Höranlagen entsprechen, falls überhaupt vorhanden, oft nicht den Anforderungen der international geltenden Norm oder sie sind schlicht nicht eingeschaltet. Vielfach fehlt eine Person, die die Höranlage wartet und fachgerecht einstellt. Hier gibt es viel Potential für Verbesserung.

Jolanda Galbier: Oder das Thema der Rehabilitation nach einer CI-Operation für Pensionierte. Die notwendige Nachsorge, sprich, das Hörtraining, müssen Betroffene bislang selbst zahlen, sofern kein Besitzstand gilt und die IV die Kosten trägt. Das ist eine unbefriedigende Situation. Es werden vermehrt ältere Menschen nach dem IV-Alter implantiert, wenn die Hörgeräte für das Sprachverstehen nicht mehr ausreichen. Die Nachsorge ist gerade für diese Altersgruppe wichtig und sollte entsprechend geregelt sein.

Was tut pro audito konkret, um die Gleichstellung in der Schweiz voranzutreiben? Jolanda Galbier: Wir befähigen Menschen mit einer Schwerhörigkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Zum Beispiel durch unsere Hörtrainings mit Lippenlesen, die wir ja bereits seit mehr als 100 Jahren anbieten. Aber wir schaffen auch neue, zeitgemässe Angebote, wie das Online-Training Lippenlesen.ch oder den Kurs «Digitale Helfer». Ausserdem möchten wir zukünftig bestehende Angebote für andere Altersgruppen erweitern. Neu wird zum Beispiel im Jahr 2022 das Sommerlager auch offen für Jugendliche sein und neu wird es ein Sportwochenende für junge Erwachsene geben, letzteres in Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation Jugehörig.

Heike Zimmermann: Vernetzen und Informieren sind die weiteren Grundpfeiler unserer Arbeit. Die erfolgreichen Veranstaltungsformate, wie das CI-Forum und den Tag des Hörens, führen wir weiter und schaffen zusätzlich neue Plattformen für andere Ziel- und / oder Altersgruppen, wie beispielsweise die Online-Sprechstunde CI.

Das ganz Interview können Sie im aktuellen dezibel nachlesen.

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