Organisation für Menschen mit Hörproblemen

CI-Forum 2018: «Wir müssten gut zusammenarbeiten»

Wenn Eltern, pädagogische und medizinische Fachstellen sowie Ingenieure von Cochlea Implantaten (CI) eng zusammenarbeiten, profitieren Kinder und Jugendliche mit Hörproblemen noch mehr. Wie diese Zusammenarbeit gelingt, erfuhren die rund 200 Teilnehmenden am CI- Forum, das der Verein pro audito schweiz organisiert und das am Samstag das 13.-Mal stattfand.

Welches sind die Erfolgsfaktoren, damit ein Kind, das gehörlos geboren wird, später ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft führen kann? Wie die verschiedenen Fachleute am CI-Forum betonen, werden die Weichen hierfür schon früh gestellt. Ein Cochlea Implantat schafft die organischen Voraussetzungen für den Erwerb der Lautsprache. Dies alleine reicht jedoch nicht. Profunde medizinische und auch audiologische Diagnosen sind hierfür ebenso wichtig wie eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Fachpersonen und Eltern.

 

Der Verein pro audito übernimmt hier eine wichtige Drehscheibenfunktion für die Betroffenen. Alleine schon, dass der Verein das Forum organisiert und so die Fachpersonen aus den verschiedenen Bereichen zusammenbringt und einen Austausch ermöglich, ist eine wichtige Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit.

 

«Das CI-Forum ist die einzige Austauschplattform in der Schweiz für Betroffene und Fachpersonen zu diesem Thema», so Irene Verdegaal, Geschäftsleiterin von pro audito schweiz. «So können die beteiligten Fachpersonen und Eltern von den Erfahrungen der anderen profitieren und das komplexe Zusammenspiel optimieren und eine gute Begleitung der Kinder garantieren», so Verdegaal weiter.

Zweisprachig mit Gebärden- und Lautsprache

Ein relativ neuer Ansatz in der Hör- und Sprachentwicklung der Kinder ist der so genannte bilinguale Ansatz. Bei diesem Ansatz lernen die Kinder mit Cochlea Implantaten sowohl die Laut- als auch die Gebärdensprache. Dank diesem Ansatz sollen sich die Kinder in der Welt der Hörenden, aber auch der Gehörlosen bewegen können. Für welche Kinder dies sinnvoll ist und wie die ersten Erfahrungen sind, erfuhren die Teilnehmenden von den Bildungsinstitutionen und auch von Eltern, die den bilingualen Ansatz bereits praktizieren. Erika Rychard, Fachverantwortliche Cochlea Implantate von pro audito schweiz: «Die beiden Sprachsysteme schliessen sich nicht aus – im Gegenteil. Unter gewissen Bedingungen ist es sehr gewinnbringend, beide Sprachsysteme miteinander zu verbinden.»

Dr. med. Renske Beeres-Scheenstra stellte die Ergebnisse einer erstmals in der Schweiz durchgeführten Studie zum Fremdsprachenerwerb von Kindern und Jugendlichen mit Cochlea Implantat vor. Demnach nehmen erfreulich hohe 88 Prozent am Fremdsprachenunterricht teil. Im Englisch konnten die Grundanforderungen mehrheitlich erreicht werden. Im Französisch wurde ein ausreichendes Leseverständnis festgestellt, das Hörverstehen schnitt hingegen schlechter ab –  dies ist übrigens dasselbe Resultat wie bei der Vergleichsgruppe ohne Hörbeeinträchtigung.

Den Abschluss bildete der Block zum Thema Berufsbildung. Die Teilnehmenden erfuhren, welche Unterstützung hörbeeinträchtigte Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt und in der Berufsbildung in Anspruch nehmen dürfen.

 

Weitere Informationen

Heike Zimmermann, Kommunikation pro audito schweiz

Feldeggstrasse 69

8008 Zürich

heike.zimmermann@STOP-SPAM.pro-audito.ch

Tel. 044 363 12 00