Organisation für Menschen mit Hörproblemen

Altersschwerhörigkeit: Jeder Zweite bleibt ohne Hilfe

Mit zunehmendem Alter hören viele Menschen schlechter. Die wenigsten unternehmen aber etwas dagegen. Mit verheerenden Folgen. Im schlimmsten Fall kann unbehandelte Altersschwerhörigkeit zu Demenz oder Depression führen. Laut WHO hat sie weltweit Kosten in Höhe von 750 Milliarden Dollar zur Folge. pro audito schweiz sensibilisiert anlässlich des diesjährigen Internationalen Tag des Hörens zu Altersschwerhörigkeit und zeigt Behandlungsmöglichkeiten auf.

Die Faustregel: Je älter die Person, desto schlechter ihr Gehör. Während bei den 60-Jährigen rund ein Drittel an einem altersbedingten Hörverlust leidet, sind es bei den 70-Jährigen zwei Drittel und bei den 80-Jährigen bereits rund 80 Prozent. Altersschwerhörigkeit steht laut WHO bereits an fünfter Stelle der Erkrankungen, die die Lebensqualität am meisten beeinträchtigen.

Behandlung: Die meisten warten zu lange

Die gute Nachricht: Altersschwerhörigkeit lässt sich behandeln. Bloss – das macht nur etwa die Hälfte. Gemäss aktuellen Zahlen gehen in der Schweiz nur 54 Prozent der über 65-Jährigen ihren Hörverlust an. 46 Prozent unternehmen gar nichts. Und die, die etwas gegen den Hörverlust tun, warten im Durchschnitt fünf bis sieben Jahre. Eine zu lange Zeit; denn das Hörzentrum im Gehirn speichert Geräusche und Töne nur drei Jahre. Nach sieben Jahren verblasst die Erinnerung. Je länger ein Betroffener oder eine Betroffene abwartet, desto höher ist der Aufwand, das Hören wieder zu lernen. Und wenn man gar nichts unternimmt, setzt man sich einem erhöhten Risiko aus, an Demenz oder Depression zu erkranken.

Über die Gründe der tiefen Behandlungsquote lässt sich nur spekulieren. Ein Grund mag der schleichende Prozess des Hörverlusts sein. Viele Menschen merken gar nicht, dass sie schlechter hören. Oft sind es Bezugspersonen, die Betroffene auf ihre Hörminderung aufmerksam machen. Ein weiterer möglicher Grund: Die Suche nach einem Hörgerät ist aufwändig und erfordert Geduld und Ausdauer – besonders wenn die Hörminderung schon fortgeschritten ist.

Behandlung: Das zahlt sich aus

Die Behandlung des altersbedingten Hörverlustes lohnt sich; in gesundheitlicher und sozialer Hinsicht. Denn gut zu hören, bedeutet unabhängig zu bleiben, aktiv am Sozialleben teilnehmen zu können und letztendlich gesünder zu altern.


Abhilfe schafft klassischerweise ein Hörgerät. Und auch hier gibt es gute Nachrichten. Seit der Digitalisierung tun sich viele neue Möglichkeiten auf, fast schon täglich werden Innovationen vermeldet. Für etliche Hörsituationen präsentiert die Hörgerätebranche neue Lösungen: «Smart» oder «made for all» sind die jüngsten Labels.

Trotzdem gilt: Ein Hörgerät bringt zwar in der Regel eine Verbesserung, aber nicht in jedem Fall ein hundertprozentiges Sprachverständnis zurück. Ergänzend zum Hörgerät empfiehlt sich deshalb ein Verständigungstraining. Dort lernen Betroffene das Lippenlesen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das Lippenlesen die Sprachverarbeitung im Gehirn intensiviert. Für Menschen mit Hörproblemen spielt Lippenlesen im Hörprozess deshalb eine wichtige Rolle. Das Sprachverständnis steigt, das Risiko von Begleiterkrankungen sinkt.

Anlässlich des Welttags des Hörens organisiert pro audito schweiz am Samstag, 2. März einen kostenlosen Info-Anlass zum Thema «Wie bitte? Hören und Verstehen im Seniorenalter.» Wo: Glockenhaus, Sihlstrasse 33. Wann: 10 bis 13.30 Uhr. www.pro-audito.ch