Organisation für Menschen mit Hörproblemen

Milder Hörverlust: Hörgeräte machen Sinn

Die Audiologie-Kommission der Fachärztegesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (SGORL) hat medizinisch-audiologische Empfehlungen für die Versorgung von mildem Hörverlust veröffentlicht. Kernaussage: Wenn Betroffene selber oder ihr Umfeld einen Hörverlust bemerken, und wenn Untersuchungen zeigen, dass der Betroffene Sprache nicht mehr gut versteht, dann ist ein Hörgerät sinnvoll. Besonders für Personen, die selber eine Verbesserung wünschen.

 

Gemäss Dorothe Veraguth, Leitende Ärztin Audiologie am Universitätsspital Zürich und Vorsitzende der Audiologie-Kommission, hat es in der Schweiz bislang keine medizinisch-audiologischen Richtlinien zur Abklärung eines Hörverlusts gegeben. Die bisherigen Konsensus-Empfehlungen betreffen das auditorische Assessment (Abklärung des Gehörs) und die Diagnostik sowie technische Aspekte der Hörgeräteversorgung, Schulung, Beratung und Folgegespräche, ebenso die Schlusskontrolle nach der Hörgeräteanpassung.

 

Neu sind im Frühling 2015 medizinisch-audiologische Kriterien definiert worden, bei denen eine  Versorgung mit einem Hörgerät angezeigt ist. Sie richten sich an die Ohrenärzte.

 

Weitere Einbussen verhindern

Das Ziel der Empfehlungen ist, das Hörvermögen von Menschen mit milder bis moderater Hörbeeinträchtigung im Kontext der gesundheits- und arbeitsbezogenen Lebensqualität durch eine frühe Versorgung zu verbessern. Betroffene sollen keine körperlichen, seelischen oder psychosozialen Einbussen aufgrund einer Nicht-Behandlung des Gehörs entwickeln noch Gedächtnisleistung verlieren.

 

Das sollten Betroffene wissen

Aus den Empfehlungen sind folgende Punkte wichtig für Personen mit einer leicht- bis mittelgradigen Höreinschränkung.

 

  • Ein Hörtest sollte nicht nur ein «Tonaudiogramm» umfassen, sondern auch mittels eines Sprachtests feststellen, wie gut Sie gesprochene Wörter und Sätze im Störlärm verstehen.
  • Der Ohrenarzt sollte Sie auch befragen, in welchen Alltagssituationen Sie am meisten Höreinschränkung erfahren und wann Sie besonders darunter leiden. Nur so findet sich eine praxisbezogene und -taugliche Lösung.
  • Fangen Sie frühzeitig mit dem Tragen von Hörgeräten an. Bereits ein milder Hörverlust (>26 Dezibel) kann das Verstehen von Sprache und damit die Kommunikationsfähigkeit merkbar beeinträchtigen.
  • Wer sich frühzeitig versorgt, gewöhnt sich leichter an Hörgeräte und versteht langfristig besser.
  • Tragen Sie das Hörgerät regelmässig und täglich über mehrere Stunden. Dann gewöhnt sich das Gehirn am besten daran und Sie verstehen besser.
  • Tragen Sie zwei Hörgeräte, wenn beide Ohren betroffen sind. Der Mensch ist ein «Rundumhörer» und braucht dafür beide Seiten. Erst recht bei störendem Umgebungslärm.
  • Studien belegen, dass Hörgeräte bei älteren Menschen die Lebensqualität steigern und dafür sorgen, dass sie sozial integriert und zufrieden bleiben. Warten Sie nicht ab!
  • Wird ein Hörverlust nicht versorgt, verändert sich die Signalverarbeitung im Gehirn. Die Hörlücken müssen mit Anstrengung kompensiert werden und nehmen schlussendlich überhand.
  • Die Audiologie-Kommission empfiehlt, nach der Hörgeräte-Anpassung durch den Akustiker den Ohrenarzt nochmals überprüfen zu lassen, wie Sie Sprache verstehen. Die Kosten dafür muss der Betroffene über die Krankenkasse tragen, da weder die Invaliden- (IV) noch die Alters- und Hinterlassenen-Versicherung (AHV) diese Untersuchung übernehmen.

 

Quelle

Veraguth D, Bertoli S, Bodmer D, Candreia C, Haudenschild P, Kompis M, Maire R, Tschopp K, Vischer M.: Abklärung und Versorgung des milden Hörverlusts mit Hörgeräten. Schweiz Med Forum 2015;15(22):521-529

 


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