Organisation für Menschen mit Hörproblemen

Taktisch hören

Menschen mit Hörproblemen setzen oft Hörtaktiken ein, um besser verstehen zu können. Hörtaktik ist ein vielschichtiger, komplizierter Vorgang. Akustische und von den Lippen abgelesene Wörter werden durch Rückschlüsse und die Kombination der entschlüsselten Körpersprache (Mimik, Gestik), aber auch der Fantasie und der Hintergrundinformationen zum Gesprächsthema zu einem sinnvollen Höreindruck zusammengefügt.

 

Schwerhörige brauchen also ein hohes Mass an Konzentration, Willenskraft und Belastbarkeit, um in der Kommunikation mithalten zu können. Sie leisten in kurzer Zeit unglaublich viel: hören, absehen (Lippenlesen), beobachten, speichern, kombinieren und verarbeiten. Dazu kommen oft störende Nebengeräusche wie Strassenverkehr, Lärm, Stimmengewirr, Nachhall von Wänden. Bartträger erschweren es Hörbehinderten, von deren Lippen abzulesen. Zudem sind schlechte Lichtverhältnisse ein Problem. So kommt es immer wieder zu Wahrnehmungslücken.

 

Lippenlesen, Mimik und Gestik

Wichtige taktische Massnahmen für Hörbehinderte sind das Lippenlesen und die Deutung von Mimik und Gestik. Das Lippenlesen muss gelernt und geübt werden, z.B. in den Verständigungskursen von pro audito schweiz. Denn ähnlich klingenden Wörter verursachen oft Missverständnisse: Liebe/Lippe, Ofen/offen, Höhle/Hölle, Mutter/Butter; Peter/Meter usw. Häufig erkennen Hörbehinderte an der Mimik und Gestik des Gesprächspartners, was gemeint ist. Die Körpersprache unterstützt die Deutung der Aussagen.

 

Kommunikationstipps für Hörbehinderte

Schwerhörige können selber mögliche Stolpersteine aus dem Weg räumen: Wählen Sie für ein Gespräch eine ruhige Ecke. Achten Sie darauf, dass das Gesicht Ihres Gesprächspartners gut ausgeleuchtet ist. Sagen Sie ihm, dass er Sie anschauen und deutlich sowie nicht zu schnell sprechen soll. Wechseln Sie in Meetings den Platz, wenn nötig. Fragen Sie gleich nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Ihr Gegenüber wird das Gesagte bestimmt gerne wiederholen oder anders formulieren.

 

Guthörende vergessen häufig während des Gesprächs, was für Sie wichtig ist, nicht aus bösem Willen, sondern weil die Unterhaltung angeregt ist. Erinnern Sie Guthörende immer wieder daran, was sie für eine gute Verständigung brauchen. Hartnäckigkeit lohnt sich. Lesestoff zum Thema Kommunikation für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen finden Sie im «dezibel», dem Verbandsmagazin von pro audito schweiz.

 

Kommunikation und Coaching für Schwerhörige (www.sayes.ch)

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