Organisation für Menschen mit Hörproblemen

«Hörgerätepreise zu hoch»

Die Preise für Hörgeräte sind seit der pauschalen Vergütung von Beiträgen aus der IV und AHV nur leicht rückläufig. Dies zeigt eine im Januar 2015 publizierte Studie im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherung (BSV). Es untersuchte die Preise 2011 vor und nach dem Systemwechsel bis Ende 2013.

 

Das Fazit des BSV

Der Wettbewerb unter den Hörgeräte-Anbietern hat sich gemäss BSV bis Ende 2013 durch die Einführung der tieferen Pauschalen nur leicht gesteigert. Die Versicherten würden mehr aus der eigenen Tasche zahlen, um sich mit hochwertigen Produkten versorgen zu lassen.

 

Die durchschnittlichen Gesamtkosten einer Hörgeräteversorgung seien leicht gesunken, wozu insbesondere Anbieter beitrügen, die sich auf das tiefe Preisniveau spezialisiert hätten. Auch die Hörgerätepreise seien leicht gesunken, und 20 bis 25 Prozent der Hörbehinderten würden im neuen System eine günstigere Versorgung als vorher wählen.

 

Die Position von pro audito schweiz

pro audito schweiz spürt die Veränderungen im Markt infolge der restriktiveren Handhabung durch die IV und AHV ganz direkt. in den Beratungsgesprächen wird deutlich, dass vor allem mittel- bis hochgradig hörbehinderte Personen deutlich mehr an ihre Hörversorgung bezahlen.

 

Bereits im Tarifsystem ha­ben sie zwischen 1'000 und 4'000 Franken aus dem eigenen Sack bezahlt. Im Pauschalsystem haben diese Zuzahlungen laut BSV-Studie um 15 bis 87 Prozent zuge­nommen. Bei Kinderversorgungen hingegen sind die Zuzahlungen im Durchschnitt um rund 500 Franken gesunken.

 

Warum nehmen Hörbehinderte solch hohe Zuzahlungen in Kauf? Zum einen, weil sie auf eine qualitativ hochwertige Versorgung angewiesen sind – z.B. beruflich –, und zum andern, weil sie die Härtefall-Regelung der IV für höhere Beiträge entweder nicht kennen oder aber den aufwändigen Antragsprozess scheuen.

 

Weitere Hinweise dafür, dass sich die Lage zuspitzt, sind der nochmalige Anstieg der Gesuche an pro audito schweiz zur Mitfinanzierung einer Hörversorgung aus dem Irma-Wigert-Fonds und ein 60-Prozent-Anteil von Fragen zu Sozialversicherungen an die Ombudsstelle Hörprobleme.

 

Auf dem Buckel der Hörbehinderten

Zusammenfassend muss man feststellen, dass die Einführung des Pauschalsystems für Hörgeräteversorgung bis anhin auf dem Buckel von Hörbehinderten ausgetragen wird, die sich als Laien und angesichts der komplexen und verwirrenden Preisgestaltung der Anbieter in der schwächeren Position befinden.

 

pro audito schweiz fasst ins Auge, im Jahr 2017 – also sechs Jahre nach der Umstellung auf das Pauschalsystem – seine Mitglieder detailliert zu befragen, wie die Realität für Hörbehinderte bei einer Neuversorgung wirklich ist.

Unsere Dienstleistungen

Nutzen Sie die kostenlose Beratung zu allen Fragen rund um den Prozess der Hörgeräteversorgung von pro audito schweiz und seiner Mitgliedvereine. Darüber hinaus werden Betroffene in einigen Regionen unentgeltlich zu Arzt- und Akustiker-Terminen begleitet.

 

Es lohnt sich, im Einzelfall zu prüfen, ob die Härtefall-Regelung für eine teurere Versorgung zur Anwendung kommen könnte. Das Merkblatt «Härtefall bei Hörgeräteversorgung» zeigt das Vorgehen Schritt für Schritt auf.

Haben Sie Fragen zur Härtefallregelung?

Unsere Beraterinnen informieren Sie kostenfrei und unabhängig über die Härtefallregelung: 0800 400 333 (Mo - Fr, 9 - 13 Uhr),

beratung@STOP-SPAM.pro-audito.ch, neutrale-hörberatung.ch